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Das Kreuz mit der Kirche

29.03.2010 | Keine Kommentare

Neulich meinte ein Bekannter, er könne das ganze Kirchen-Gelabere nicht mehr hören. Klar, dass die Kirche Dreck am Stecken habe, sagte er, aber dann müsse man eben austreten, anstatt ständig nur darüber zu jammern, wie schrecklich alles sei. Was er offenbar nicht verstanden hat: Gerade jetzt darf die Diskussion um die Kirche nicht abreißen. Gerade jetzt gilt es, auf die offensichtlichen Missstände aufmerksam zu machen. Gerade jetzt reicht es nicht aus, auszutreten, im Glauben, man habe damit einen Beitrag geleistet, denn das Gegenteil wäre der Fall. Leute, mal ehrlich, wir sind ein Teil der Kirche, zumindest die vielen Katholiken in diesem Land, und eben deshalb müssen wir uns die Frage stellen, warum diese Scheiße überhaupt passieren konnte. Warum diese Kinder von offenbar schwer gestörten Perversen hatten misshandelt werden können und warum um Himmels Willen niemand davon eher Wind bekommen hat. Oder, was noch viel schlimmer ist, warum jahrzehntelang darüber geschwiegen wurde. Es ist schrecklich, die katholische Kirche bleibt traumatisiert. All jene Anhänger, die an das Gute in der Kirche glaubten, sind enttäuscht und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Dabei ist die Antwort so einfach, so nahe liegend und heißt VERÄNDERUNG. Die katholische Kirche schreit schon lange nach Reformen, nach tief greifenden Reformen.

Es ist nach den jüngsten Ereignissen nun nicht mehr von der Hand zu weisen, dass die Kirche ein offenes Refugium für gestörte Menschen ist, die ihre Perversionen an hilflosen Kindern ausleben, ein Refugium für Menschen, die Macht in ihrer grausamsten Form demonstrieren. Dieses Refugium der Perversionen (man kann es leider nicht anders nennen) kann nur zerstört werden, wenn auch die Voraussetzungen, dort Grausamkeit zu leben, zerstört werden. Was ich damit meine? Unter dem Deckmantel des Zölibats ist es möglich, Sexualität in ihrer übelsten Form zu leben. Denn warum gibt es in anderen christlichen Glaubensgemeinschaften vergleichsweise wenige Missbrauchsfälle? Warum läuft es in den orthodoxen und evangelischen Gemeinden besser ab (zumindest ist das derzeit anzunehmen)? Weil die Priester dort heiraten dürfen. Weil sie dort ein Recht auf Sexualität haben. Weil die Voraussetzungen dort besser – „gesünder, natürlicher“ – sind. Und eben das müssen sich die Vertreter der katholischen Kirche endlich eingestehen. Also weg mit dem unsinnigen Zölibat, das den Nährboden für den Missbrauch stärkt – und her mit Offenheit und Toleranz für Liebesbeziehungen.

Doch leider steht es trotz allem, was jetzt nach und nach an die Oberfläche schwappt, schlecht um Veränderungen. Denn die Kirche will am alten Kurs festhalten – ein schwerer Fehler, der immer mehr Menschen aus der Kirche treibt. Mit der Kirche ist’s und bleibt’s eben ein Kreuz.

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