Home / Allgemein / Warum Precious zur Kirche passt

Warum Precious zur Kirche passt

05.04.2010 | Keine Kommentare

Eigentlich wollte ich ja etwas zu den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen schreiben, aber das hat noch Zeit. Über das illustre Trio Fischer, Rosenkranz, Gehring werdet ihr ohnehin noch genug lesen. Schon jetzt ist klar, dass die Präsidentschaftswahlen viel Langeweile versprechen, zumal sich keine einzige charismatische Persönlichkeit unter den Anwärtern findet. In Österreich ist das nun einmal so, in Deutschland aber auch nicht viel besser. Nach den Skandalen rund um sexuellen Missbrauch in der Kirche gibt es aber Wichtigeres als über den besten Kandidaten zu sinnieren (vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Auswahl mager ist und Fischer unter den Einäugigen wohl der König).

Viel erwähnenswerter scheint, dass es der Papst beim traditionellen Ostergruß am Peterplatz nicht für wert empfunden hat, die Missbrauchsfälle (aufs Schärfste) zu verurteilen. Schlimmer noch: er hat das Thema nicht einmal angesprochen. Eine Schande. Verständlich, dass immer mehr enttäuschte Menschen der Kirche den Rücken kehren. Durch die Skandale wird es heuer zu einem historischen Rekordwert bei Kirchenaustritten kommen. Bis zu 70.000 Abtrünnige werden erwartet. Außerdem schrumpft die katholische Gemeinde durch ihre Überalterung sowieso. Und die Zahl der Taufen geht auch zurück. Eine gefährliche Entwicklung, zumal das finanzielle Fundament der Kirche die Kirchenbeiträge sind. In den nächsten Jahren wird mit Rückgängen von zehn Prozent gerechnet. Und dennoch: Die Kirche scheint nach wie vor nicht zu begreifen, wie ernst ihre Lage ist, so es zu keinem Umdenken kommt.

Der Papst hält eisern am Zölibat fest, und sagt, Masturbation sei ebenso verwerflich wie Sex vor der Ehe. Damit schafft er, so sind selbst viele Katholiken überzeugt, einen Nährboden für sexuelle Perversionen, denn dem Druck, Sexualität nicht leben zu dürfen, halten viele nicht stand. Immer mehr Schäfchen laufen davon - und kommen nicht wieder. Lasst mich am Ende eine Brücke schlagen, eine Brücke, die etwas weit weg führen mag, aber wem fällt dieser Tage nicht Precious ein, wenn er über die Missbrauchsfälle in der Kirche liest? Ein grandioser Film, der die tragische Geschichte von Precious schildert, einem Mädchen, das von ihrem Vater zwei Kinder zur Welt bringt und schließlich an HIV erkrankt? Precious - trauriges Leben ähnelt dem jener Kinder, die von Priestern geschändet worden sind. Es gibt einen einzigen Unterschied: Geschwängert haben die Priester keinen. Denn die Opfer waren großteils männlich, und so einige Mädchen dabei waren, hatten die in den seltensten Fällen die geschlechtliche Reife. Tragisch, schrecklich tragisch. Vor allem, weil sich nichts ändert.

Antwort schreiben 11081 Aufrufe gesamt, 2 Aufrufe heute  

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.