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“Arme” Manager!

19.04.2010 | Keine Kommentare

Ungerecht behandelt. So fühlen sich viele österreichische Spitzen-Manager. Sehr viel würden sie ja gar nicht verdienen, sagen sie, vor allem nicht gemessen an der hohen Leistung, die sie zu erbringen glauben. Aha. Und das bedeutet was genau? Nehmen wir Wolfgang Ruttenstorfer. Wäre er ein Durchschnittsösterreicher, müsste er knapp 90 Jahre arbeiten, um das zu kassieren, was er als OMV-Chef im Vorjahr verdiente. Oder, anders ausgedrückt: Wäre Ruttenstorfer Bundespräsident, müsste er acht Jahre im Amt sein, um auf sein OMV-Gehalt für 2009 in Höhe von 2,6 Millionen Euro zu kommen. Oder: Was Ruttenstorfer im Vorjahr für nicht einmal zwei Tage Arbeit überwiesen bekam, erhält ein österreichischer Pensionist im Schnitt im Jahr. Dass Ruttenstorfers Arbeit nicht halb so viel wert sein dürfte, ist wohl klar – oder? Sollten Spitzen-Manager, wie hart sie auch arbeiten mögen, tatsächlich so viel verdienen? Lasst mich milde sein. Schließlich hatten die „armen“ Manager so wie wir alle unter der Krise zu leiden: Rund die Hälfte musste im vergangenen Jahr ein zweistelliges Einkommensminus hinnehmen. Vor allem bei Banken und Versicherungen sind 2009 die Gagen ordentlich geschrumpft: Erste-Group-Vorstand Franz Hochstrasser verdiente um 63 Prozent weniger und kam 2009 auf 723.000 Euro. Sein Boss Andreas Treichl verdiente 2007 noch rund 4,2 Millionen Euro. Im Jahr 2008 waren es 3,3 Millionen Euro, im Vorjahr „nur“ mehr 1,5 Millionen. Treichl verzichtete wie die anderen Erste- und Raiffeisen-International-Vorstände auf Bonuszahlungen. Diese „armen“ Manager! Kein Wunder, dass sie sich da ungerecht behandelt fühlen. Denn statt der Luxusvilla in Übersee ist jetzt „nur“ noch ein Penthouse an der Côte d’ Azur drinnen.

Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) legten den Spitzenkräften wohl nicht zufällig mehr Bescheidenheit ans Herz. Und Kanzler Werner Faymann liebäugelte bereits mit einer Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit der Vorstandsbezüge auf 500.000 Euro. Damit müssten Unternehmen, die ihren Managern mehr bezahlen, höhere Körperschaftssteuern in Kauf nehmen. Das wäre schon mal ein Anfang, aber wann der gemacht wird, ist mehr als fraglich. Okay, schon klar: Wer viel arbeitet, soll viel verdienen, aber so viel?

Und noch was: Die Vergütungen der Vorstände sind in den Geschäftsberichten vielfach nur versteckt zu finden. Dies geschehe in „Rücksichtnahme auf die Privatsphäre der Mitglieder des Vorstandes“, wie etwa VIG-Sprecher Alexander Jedlicka betont. Na dann! Noch Fragen?

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