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Fischer, wer sonst?

26.04.2010 | Keine Kommentare

Gewusst haben wir’s doch eh alle. „Der Fischer wird’s, der Fischer wird’s“, heißt’s schon seit Monaten. Und der Fischer ist’s auch geworden. Wer denn sonst? Knapp 79 Prozent der Wählerstimmen hat er bekommen, deutlich mehr als seine beiden Nebenbuhler, die ohnehin nie die geringste Chance hatten, ihm ins Gehege zu kommen. Barbara Rosenkranz kam gerade mal auf 15,6 Prozent der Stimmen, womit sie sogar unter ihren eigenen Erwartungen lag. Und Rudolf Gehring sackte nur 5,4 Prozent ein.

Anders ausgedrückt: Mehr als 2,2 Millionen Bürger wählten Fischer, rund 457.600 Rosenkranz und 157.000 Gehring. Sieht so aus, als wäre Fischer der klare Sieger, oder doch nicht? Tatsächlich ging nur jeder zweite Österreicher am Sonntag ins Wahllokal. Das Wetter sei schuld, hieß es anfangs. Die Sonne habe die Menschen von den Wahlurnen fern gehalten – was natürlich Blödsinn ist.

Wahr ist vielmehr, dass das rechte Lager die Wahl schlichtweg boykottiert hat. Treue FPÖ- und BZÖ-Wähler wollten Rosenkranz ihre Stimme partout nicht geben. Warum nur, ist die Frage. Weil sie innerhalb der eigenen Partei zu wenig Rückhalt hatte? Weil Heinz Christian Strache nicht ausreichend hinter ihr stand und damit zeigte, dass sie keine würdige Kandidatin ist? Weil sie in zahlreichen Diskussionsrunden nicht zu überzeugen verstand oder etwa, weil sie eine Frau ist? Fakt ist, dass diesmal vor allem die Jungen aus dem rechten Lager nicht wählen gegangen sind. Während sie, aus welchen Gründen auch immer, hinter Strache stehen, sieht es bei Rosenkranz anders aus. Die passt ihnen nicht, die geht eben nicht in die Passage abtanzen und hebt nicht einen übern Durst. Rosenkranz konnte nur bescheiden abschließen, anders hat es gar nicht kommen können.

Und Gehring? Ein Wunder, dass der überhaupt mehr als fünf Prozent bekam – bei dem Blödsinn, den er in den vergangenen Wochen so von sich gab (zum Beispiel diese peinlichen Anti-Schwulen-Sager)… Dass die Wahlbeteiligung peinlich gering ausfiel, lag also an den Kandidaten, nämlich an Rosenkranz und Gehring. Nicht aber an Fischer. Der konnte sowohl in den eigenen Reihen (bei den Roten) als auch bei den Schwarzen punkten. Er ist eben jemand, der nicht polarisiert. Mit dem kann (fast) jeder, den mag (fast) jeder, der tut (wahrscheinlich) niemandem weh.

Ein wenig Charisma würde ihm freilich gut tun, ein wenig Humor, ein wenig Power. Doch, was soll’s. Gewählt wurde gestern – „das geringste Übel“, wie einige meiner Bekannten meinten. Und wahrscheinlich haben sie damit auch Recht. Denn ansonst wären wohl mehr Menschen zu den Urnen gegangen.

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