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Ein Feiertag ohne Feierstimmung

03.05.2010 | 1 Kommentar

Ein wenig verärgert war ich schon. Im Vorjahr fiel der 1. Mai auf einen Freitag. Herrlich. Ein verlängertes Wochenende stand an. Ich weiß noch, wie ich mit Freunden nach Kärnten fuhr. Heuer war nix mit Feiertag und verlängertem Wochenende. Der 1. Mai fiel auf einen Samstag. Schade. Denn so gab es keine zusätzliche Freizeit. Und sonst bringt der viel gerühmte Tag der Arbeit oder Maifeiertag ja nicht viel. Na ja, vielleicht ein bisschen Tradition.

So ist er auch in Deutschland und Teilen der Schweiz ein gesetzlicher Feiertag, aber auch in Italien, Russland, Polen und Frankreich, Schweden oder Finnland. Sogar im Jemen und in Brasilien wird er gefeiert. Die österreichische Arbeiterschaft beteiligt sich seit 1890 daran, vor allem mit Ausflügen ins Grüne. Damals schrieb Victor Adler, (Mit)begründer der heutigen SPÖ, in der Arbeiter-Zeitung: „Er ist sehr schön, der 1. Mai, und die Tausende von Bourgeois und Kleinbürgern werden es den Hunderttausenden von Proletariern gewiss gerne vergönnen, sich auch einmal das berühmte Erwachen der Natur, das alle Dichter preisen und wovon der Fabrikszwängling so wenig bemerkt, in der Nähe zu besehen.“

Doch das war damals. Heute können etliche Genossen beruhigt daheim bleiben. Weil es am 1. Mai im Grunde um nichts geht. Wie so oft in der Kanzlerpartei. Obwohl, ganz so ist es nun auch wieder nicht. Schließlich geht es um Profilierung. Kanzler Werner Faymann winkte ebenso von der Bühne vor dem Wiener Rathaus wie Bürgermeister Michael Häupl. Hingegangen bin ich freilich nicht. Aber im Fernsehen hab ich’s gesehen, wie sie gesungen und Einheit mit dem Volk demonstriert haben. Gääähn! Aber wenn’s die Leute wollen, sollen sie eben hingehen. Nicht weit davon hat auch Heinz-Christian Strache eine Rede gehalten. Angeblich waren viele dort, vor allem die Jungen. Klar, die stehen auf Strache. Nicht, dass ich es gut heiße, aber zumindest sieht er nicht so nach Wiener Schnitzel aus wie Häupl.

Bei den Wien-Wahlen im Herbst könnte es durchaus Überraschungen geben. Häupl wird wohl bleiben, dafür sitzt sein Sattel zu fest, aber Strache könnte an Schlagkraft gewinnen. Denn immer mehr Bürger haben es satt, Häupl&Co zuzuwinken, und sehen, dass gerade die, die Solidarität mit der Arbeiterklasse predigen, am wenigsten davon verstehen. „Standard“-Journalist Conrad Seidl schrieb in einem Kommentar, dass die treuesten Wähler der Sozialdemokraten inzwischen graue Köpfe sind und aus einer Zeit stammen, wo die SPÖ noch darum bemüht war, die Gesellschaft zu verändern – „und gleichzeitig jenen eine Heimat zu geben, die von einer solchen Veränderung am meisten profitieren würden.“ Heute ist das anders. Was Strache weiß. Und wovon er vor allem bei den Jungen profitiert. Nicht nur am Maifeiertag, der ohnehin nicht mehr viel bedeutet.

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