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Kasperltheater am Flughafen

17.05.2010 | 1 Kommentar

Anfangs war ich verwundert. Danach etwas schockiert. Und jetzt ein wenig amüsiert. Obwohl: Was am Flughafen Wien passiert, ist im Grunde alles andere als lustig. Lasst mich das bisher Geschehene kurz zusammenfassen. Die Bundesländer Niederösterreich (ÖVP) und Wien (SPÖ), beide Großaktionäre des Airports, waren einvernehmlich zu dem Schluss gelangt, dass der Flughafen ausgebaut werden muss. Okay, das macht ja noch Sinn – oder? Naja, jetzt wo die AUA nach der Übernahme durch die deutsche Lufthansa zur Mini-Airline heruntergeschrumpft wird, scheint das nicht gerade sinnvoll.

Aber bitte: Irgendwie ist man halt davon überzeugt, dass Wien eine wichtige Drehscheibe in den Osten bleibt, weshalb man munter weiterbaut – und das planlos. Völlig planlos. Oder besser gesagt: Es gab so viele Baupläne zum Skylink (so heißt der neue Terminal), dass die Zuständigen – namentlich der alte Flughafen-Vorstand Gerhard Schmid, Herbert Kaufmann und Christian Domany – die Kontrolle über das Projekt verloren und die Kosten explodierten. Kaufmann und Schmid sitzen noch heute im Chefsessel, nur Domanys Kopf rollte. Der ÖVP-Manager wurde durch Ex-Politiker Ernest Gabmann (von der ÖVP) ersetzt. Und eben da geht das Kasperltheater illuster weiter. Gabmann soll Freunden Gefälligkeitsdienste am Flughafen erweisen, sich ansonsten aber despotisch verhalten. „Ein Tyrann“, heißt es am Flughafen.

ÖVP-Kollegen machen sich daher für Gabmanns vorzeitige Ablöse stark. Zu der könnte es sogar kommen, denn auch Gabmann scheint das Projekt Skylink nicht im Griff zu haben. So wurde gerade (wieder!) die Bauaufsicht ausgetauscht und der Zeitplan, den Terminal 2012 zu eröffnen, wackelt. 830 Millionen Euro wurden aus heutiger Sicht zu einem Gutteil in den Sand gesetzt. Denn rund 3.000 Mängel wurden beim Bau des Skylinks festgestellt, 500 davon werden als „mittel- bis sehr schwer“ eingestuft.

Im Klartext: Einige davon hätten den Passagieren sogar das Leben kosten können. Unfassbar. Ich weiß. Wie konnte es aber dazu kommen? Wie ist es möglich, dass die beiden SP-Vorstände Kaufmann und Schmid bis heute in Amt und Würden sitzen, obwohl sie als Vorstandsmitglieder mitschuld am Debakel haben? Es gibt nur eine Antwort: Politik. Kaufmann und Schmid sind aus dem roten Lager direkt von Bürgermeister Michael Häupl in ihre Ämter gehievt worden.

Ernest Gabmann war Vize-Landeshauptmann von NÖ und ist Landeshauptmann Erwin Pröll treu ergeben. So kommt man also zu solchen Jobs! Kompetenz spielt offenbar keine Rolle. Und weil die Roten vor den Wien-Wahlen im Herbst keinen Wirbel wollen, wird eben so getan, als wär’ nix. Und weil die Schwarzen auch so tun, als wär’ nix, darf auch Gabmann das tun, was er gerade tut – nämlich a nix. Ich glaube, ich wechsle in die Politik!

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Ein Kommentar

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