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Das kranke System

25.05.2010 | 1 Kommentar

Bislang habe ich mir ziemlich wenig Gedanken über unser Gesundheitssystem gemacht. Warum auch? Ich bin jung und so gut wie nie krank. Im Krankenhaus war ich vier- oder fünfmal in meinem Leben, meistens zu Besuch. Ein einziges Mal musste ich operiert werden. Damals, vor etwa 15 Jahren, wurden mir die Nasenpolypen entfernt. Erinnerungen hab ich daran so gut wie keine. Außer, dass die Injektion wehtat, weil die zuständige Anästhesistin offenbar keine geeignete Vene fand und mehrmals in mir herumstocherte. Seither kann ich mich an keine unangenehmen Krankenhausaufenthalte erinnern - bis jetzt.

Genauer gesagt: bis Freitag. Denn da ließ ich mich per Taxi in die Notaufnahme des AKHs chauffieren. Ich hatte eine Grippe und plötzlich heftige Ohrenstechen bekommen. Ich hab mir dabei nicht viel gedacht, ein paar Medikamente genommen, die noch zu Hause bei mir herumlagen, und mich ins Bett verkrochen. Doch das half offenbar nichts. Die Ohrenschmerzen wurden heftiger und als dann Blut aus meinem linken Ohr floss (sorry, ich weiß, das ist grausig), fuhr ich eben ins AKH. Es war so gegen 23 Uhr. Richtig viel war nicht los. Ich schätze, dass dort etwa zwanzig Personen herumsaßen.

Einige davon hatten offensichtlich heftige Schmerzen – und mussten dennoch warten. Ich kam also hin, füllte zwei Zettel aus, wartete zuerst in der einen Schlange, dann in einer anderen und danach bat man mich erneut zu warten, diesmal vor dem Zimmer des HNO-Arztes. Anfangs dachte ich, er sei beschäftigt und es dauere eben, aber dann stellte sich heraus, dass gar kein Arzt drinnen war. Die Schwester sagte mir, er sei an der Station beschäftigt und es dauere noch. Das Mädchen vor mir spuckte also weiter Blut (sie hatte irgendetwas mit den Mandeln) und mir floss meines aus dem Ohr – und das soll die Notaufnahme sein? Eine Notaufnahme ohne Arzt? Nach einer halben Stunde kam er dann. Der war ja ganz okay, konnte ja nichts dafür, und meinte, er habe noch nicht einmal zu Mittag gegessen.

Glaub ich ihm auch alles, keine Frage, aber wenn für die ganze Zettelwirtschaft Personal da ist (am Schalter saßen zwei Personen und noch mal eine direkt bei der Notaufnahme), dann muss zumindest auch EIN Arzt da sein – und nicht eine halbe Stunde später antanzen, wo das eine Mädchen schon halb ohnmächtig, kreidebleich und Blut spukend am Sessel lag. Doch so läuft’s in Österreich eben. Einem Land, das ob seiner hohen Kosten für „administrative Belange“ (Zettelwirtschaft!) international längst in Verruf steht. Unser Land hat das fünftteuerste Gesundheitssystem aller OECD-Staaten. Die Versorgung der Patienten schneidet aber vergleichsweise schlecht ab. Jetzt weiß ich wenigstens, warum!

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Ein Kommentar

  1. Anonymous

    Ja Hallo,
    wir legen jetzt fest was der Patient als Notfall empfindet ,
    oder die Ärzte ?
    Selbst HNO-Arzt kenne ich die Schilderung nur zu gut.
    Lösung : zwei HNO-Ärzte , einer auf Station und einer in der
    Notfallambulanz . Dann haben wir doppelte Kosten …
    Das passt ja auch wieder nicht .
    Oder sozialistische Gesundheitsstruktur ?
    Dann gibts einen Termin in ? wievielen Wochen ?
    Gruß Dr.Müller

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