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Zerstrittener Balkan

07.06.2010 | Keine Kommentare

Am Balkan mag keiner keinen. Das war schon immer so – mal mehr, mal weniger – und wird auch immer so sein. Warum, weiß ich nicht, aber im Grunde ist’s überall so. Die Österreicher halten ja zuweilen auch nicht viel von den Deutschen (”Piefkes”) und die wiederum sagen, wir “Ösis” wären nicht einmal der deutschen Sprachen mächtig. Was am Balkan allerdings hinzukommt, ist die hohe Gewaltbereitschaft. Mir fällt das jedes Mal auf, wenn ich nach Kroatien oder Serbien reise.

Immer schreit irgendwer irgendwen an, immer schlägt irgendwer irgendwen zu Boden. Wie die Kinder im Sandkasten. Peinlich. Was die Serben, Kroaten und Bosnier nicht so gerne hören, ist, dass die Slowenen in dieser Beziehung ausscheren. Sie sind, sagen wir mal, etwas gemäßer und haben sich dem Balkan selbst unter Tito nicht verbunden gefühlt. Allein, wenn es um die Beziehung zu Kroatien geht, kommen die Slowenen so richtig in Fahrt. Der lange Streit um das slowenisch-kroatische Grenzgebiet hat gezeigt, dass selbst in den angeblich so gesitteten Slowenen eine Spur Balkan steckt. Bei diesem Streit geht es, um es kurz zu sagen, um die Festlegung der Grenze und in weiterer Folge um den direkten Meereszugang. Ich muss zugeben, das ganze Hin und Her nie verstanden zu haben. Die Kroaten haben nach dem Zerfall Jugoslawiens doch eh so viel bekommen, ein herrliches Stück Land mit mehr als 1.200 Inseln. Warum gibt man dem kleineren Slowenien nicht einfach, was es will, wo man selbst doch so viel hat?

Meine kroatischen Verwandten meinen, es gehe ums Prinzip - “was mein ist, ist mein, was dein ist, ist dein.” Unsinn! Alle Grenzen müssen irgendwann mal gezogen werden. Kroatien hat ja auch nicht immer den Kroaten gehört, Österreich war in der Monarchie riesig - und jetzt? Wie dem auch sei: Kroatien wollte nicht nachgeben und Slowenien eben auch nicht (woraufhin es die EU-Beitrittsverhandlungen Kroatiens blockierte). Um die Grenzstreitigkeiten endlich zu lösen, soll nun ein fünfköpfiges internationales Schiedsgericht eine Entscheidung über das Ganze fällen. Was das Experten-Team allerdings wissen sollte, ist, dass das Balkan-Problem nicht zu lösen ist. Denn egal wie die Entscheidung ausfällt: Am Balkan wird immer gestritten werden. Bleibt zu hoffen, dass ein weiterer Krieg ausbleibt.

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