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Tote leben länger

22.06.2010 | 2 Kommentare

Hans Dichand ist tot. Und das trifft, so scheint es, ein ganzes Land. Die politischen Spitzen, darunter Kanzler Werner Faymann und Vize Josef Pröll, sprechen von einem schweren Verlust für Österreich und wollen in Dichand einen Ausnahmeunternehmer ausgemacht haben. Damit haben sie auch Recht. Hans Dichand hat, rein unternehmerisch betrachtet, Unglaubliches erreicht. Schon nach drei Jahren warf seine 1959 gegründete “Kronen Zeitung” eine Million Schilling Gewinn ab.

1968 überholte sie den “Kurier” und wurde auflagenstärkstes Blatt der Republik. Im Jahr ihrer größten Verbreitung, 2005, griffen 45 Prozent aller Österreicher zum Kleinformat – die Hälfte von ihnen las nichts anderes mehr. Auch das ist Rekord. Auf 500 Millionen Euro schätzen Kenner des Hauses das in einer Stiftung geparkte Dichand-Vermögen. Dazu kommt eine Gemäldesammlung von unschätzbarem Wert, die vorsichtshalber im Ausland geparkt wurde. Kernstück des Dichand-Erbes ist aber der Hälfte-Anteil an der “Krone.” Hans Dichand hatte stets obsiegt. Die Frage ist allerdings, wie. Nun soll man über Tote nicht lästern.

Also tun auch wir es nicht. Und wenn, dann nur ein klein wenig. Also: In kaum einem anderen Blatt wurde mit Ausländern dermaßen Menschen verachtend ins Gericht gegangen. Immer waren es die bösen Jugos und Türken, die gestohlen, gemordet und vergewaltigt haben. Auch änderte Dichand seinen politischen Kurs nach Belieben, mal Blau, mal Schwarz, mal Rot. Je nachdem, wonach ihm war und was es dafür gerade gab. Dabei gab er stets vor, im Namen des Volkes zu sprechen und sah die Krone als Sprachrohr des Volkswillens. Dichand verstand es zu manipulieren, das Volk ebenso wie die Medienlandschaft. Alle blickten mit Ehrfurcht und Respekt auf den großen Meister. Und daran wird sich auch nach seinem Tod nichts ändern. Dichand lebt länger. Weil wir alle schon zu seinen Lebzeiten eine Legende aus ihm gemacht haben, ohne sein Schaffen je kritisch zu hinterfragen.

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2 Kommentare

  1. k.

    völlig richtig. und eine liebe freundin von mir die den fast-gleichen-nachnamen trägt musste sich immer entschuldigen “d… und nicht dichant”…

    beste grüße nochmals, k.

  2. Very interesting article. Keep writing dude !!

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