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Bullenproblem in Kroatien

09.08.2010 | 2 Kommentare

Kroatien. Ein schönes, kleines Land in Südeuropa, das ob seiner Nähe zu Österreich schnell und problemlos erreicht werden kann. Mit dem Auto zum Beispiel. Von Kärnten ist es nur ein Katzensprung hinunter an die Adria, und auch für die Strecke Wien-Istrien braucht man selten länger als fünf Stunden. Meine Eltern kommen aus Kroatien, ich selbst bin mindestens dreimal im Jahr dort. Ein wahrlich schönes, kleines Land, doch auch ein Land, in dem nicht zuletzt infolge eines vormals kommunistischen Regimes und eines grausamen Krieges gewisse Dinge nicht so laufen wie sie sollten. Klar, wo läuft schon alles glatt, doch in Kroatien ticken die Uhren – wie so oft am Balkan – anders. Ein Beispiel?

Am Dienstag ist mir wer ins Auto gekracht. Auf einem Parkplatz auf der Insel Brac, in dem Fischerdorf Postira, an einem Strand, direkt vor unserem Haus. Gesehen will niemand etwas haben, was mich doch wundert, zumal ich unglaublich neugierige Nachbarn habe, die ständig am Fenster hängen und sich über den Vorfall bestimmt gefreut haben (den sie, und da bin ich mir sicher, beobachtet haben). Jedenfalls war ich sauer. Sehr sauer. Polizei gibt es in dem Dorf keine. Also bin ich in die Hauptstadt der Insel gefahren, nach Supetar, so zur Mittagszeit. Am Polizeirevier sagte man mir, der zuständige Polizist sei nicht da, ich solle warten. Okay. Nach einer Stunde noch immer nichts. „Kommen Sie um 17 Uhr wieder.“ Ich fuhr also zurück nach Postira, und dann wieder nach Supetar (Hin und Zurück sind das mit dem Auto dreißig Minuten). Dann war er da, der zuständige Polizeibeamte, so gegen halbsechs. Er sah sich das Auto an, machte ein Foto und sagte, ich solle mir die Anzeige in zwei Tagen abholen. „In zwei Tagen?“ „Ja, ich habe auch noch andere Fälle zu bearbeiten“, sagte er kurz (davor schien er allerdings sehr wohl Zeit zu haben, er fragte mich unter anderem, woher ich komme, ob ich verheiratet sei, einen Freund oder Kinder habe oder mich auf der Suche nach einem Mann befände). Ich musste zwei Tage später also wieder hin (zum dritten Mal nahm ich die Strecke Postira-Supetar in Angriff und saß insgesamt eineinhalb Stunden im Auto) – und? Nix. Er war nicht dazu gekommen, die paar Zeilen in den Computer zu tippen. Ich lief Amok. Unfassbar. Lauter Polizisten, die Eis essend herumsaßen, aber keiner davon konnte mir den Wisch ausfüllen? Ich ging zu seiner Vorgesetzten und nannte ihre Truppe einen faulen Haufen, der mich nicht nur Geld kosten würde (fürs Benzin), sondern vor allem Zeit. Mein Auftritt zeigte Wirkung. Danach bekam ich, was ich wollte. Dennoch ist die Sache traurig, aber „völlig normal hier im Süden“, wie mir gleich mehrere Einheimische erklärten. Das System sei eben krank, die Arbeitsmoral der Menschen versaut und keine Änderung in Sicht. Wie dem auch sei: Kroatien ist ein kleines, schönes Land. Nur mit Behörden sollte man dort besser nichts zu tun haben.

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    zumindest a bissl, glaub ich

  2. Anonymous

    als ob es in Ö oder D auch nur einen Deut besser wäre .

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