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Armes Österreich

16.08.2010 | Keine Kommentare

Vor kurzem erklärte mir ein guter Bekannter, Goran, dass es in Österreich keine Armut gebe. Hier würde niemand verhungern müssen, sagte er. Schließlich gebe es Institutionen wie die Gruft, wohin man sich flüchten und kostenlos essen könne. Okay, aber übernachten kann man dort nicht.

Irgendwie ging dann eine ziemlich mühsame Diskussion los. Was ist schon Armut? Ist Armut, wenn man hungert, oder ist Armut auch, wenn man abends nicht weiß, wo man schlafen kann? Klar: wir leben in keinem Dritte-Welt-Land, haben keine Ghettos und die Zahl jener, die auf der Straße leben, ist überschaubar gering, aber Armut gibt es auch bei uns zugenüge.

Da fällt mir eine allein erziehende Mutter ein, die den Job verlor, mit der Staatshilfe nicht auskam und mit ihrer Tochter in die 50-Quadratmeter-Wohnung ihrer Mutter ziehen musste (wo die Mutter samt Katzen hauste). Ist sie arm? Die Grünen sagen „Ja.“

Laut ihrem neuen „Armuts- und Reichtumsbericht“ lebt in Wien jedes vierte Kind in Armut. Demnach sind 91.000 bzw. 24 Prozent der Kinder arm. Bei den Erwachsenen liegt die Zahl bei rund 200.000, betroffen sind Frauen, Pensionisten und Migranten. Haben sie zu essen? Ja, meistens. Wissen sie, wo sie schlafen können? Ja, aber nicht immer, und oft in kleinen Zimmern mit vielen anderen.

Und, ist Österreich nun tatsächlich ein so reiches Land, wie es gemeinhin heißt? Wahrscheinlich schon, denn hier gibt es eine beträchtliche Zahl Gutverdiener, die den Schnitt ordentlich hebt und das Land in Wohlstand erstrahlen lässt. So ist das Gehalt des Wieners im Schnitt um 80 Prozent höher als das eines Bewohners des 15. Bezirks (ein Hietzinger kommt gar auf 135 Prozent). Dennoch: In Österreich gibt es Armut, viel Armut, 200.000 Erwachsene und 91.000 Kinder können das bezeugen.

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