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Willkommen in Österreich! Hier kommen Sie mit allem davon!

30.08.2010 | Keine Kommentare

Ein Anwalt sagte mir mal, dass es Gerechtigkeit nur im Himmel gebe. Nur, was, wenn man nicht an den Himmel glaubt? „Na dann vergessen Sie das mit der Gerechtigkeit lieber wieder“, sagte er – und meinte es so. Zu oft habe er schon mit ansehen müssen, wie Verbrecher, darunter Steuersünder und Raufbolde, ungeschoren davon gekommen sind. Und selbst für Mörder und Vergewaltiger gebe es in vielen Fällen „peinlich milde Strafen.“ Was bedeutet das für uns? Leben wir in einem Selbstbedienungsladen, den wir nach Lust und Laune ausnehmen können ohne Konsequenzen fürchten zu müssen?

Unser Ex-Finanzminister hätte darauf sicher eine Antwort parat. Von einem Selbstbedienungsladen würde Karl-Heinz Grasser wahrscheinlich nicht sprechen, wohl aber von einem Land der gewissen Annehmlichkeiten. Zur Erinnerung: als ehemaliger Finanzminister war Grasser in den Verkauf der Buwog-Wohnungen eingebunden. 60.000 Beamten-Wohnungen wurden in seiner Amtszeit verkauft. Aus der Sache ist jetzt eine Riesen-Affäre geworden, weil zwei seiner Freunde beim Deal mitgeschnitten haben. Denn ausgerechnet aus dem Finanzministerium hatten sie den entscheidenden Hinweis erhalten, wie viel die Firma Immofinanz für die Wohnungen bieten muss, um den Zuschlag zu erhalten. Was lernen wir daraus? Natürlich, dass Grasser mit all dem nichts zu tun hat und dass alles purer Zufall ist. Und sonst? Dass es keine Gerechtigkeit gibt. Denn wieso wird Grasser erst am Donnerstag einvernommen? Wieso hat es solange gedauert, ehe er Rede und Antwort stehen muss? Nämlich fast ein Jahr? Und wieso sagen Politiker hinter vorgehaltener Hand jetzt schon, dass Grasser mit allem davonkommen wird? (Angeblich, weil er zu viel weiß und ehemaligen Politikerkollegen droht, auszupacken, wenn sie ihn nicht freiboxen.) Also, noch mal: Was lernen wir daraus? Dass es keine Gerechtigkeit gibt. Zumindest nicht auf Erden.

PS: Für Grasser gilt natürlich die Unschuldsvermutung!

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