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Toleranz-Sache

13.09.2010 | 1 Kommentar

Es ist kurz nach Mitternacht und ich bin hundemüde. Mein Wochenende war schön, obgleich anstrengend, und lässt sich in etwa so beschreiben: Italien, Bergdorf, Hitze, Hochzeit, viele Gäste, viel Wein, viel Essen – und viel Arbeit (war Trauzeugin). Jetzt einen klaren Gedanken zu fassen, fällt schwer. Philipp, einer der Hochzeitsgäste, meinte, ich solle etwas über diesen Lehrer schreiben. Wahrscheinlich wisst ihr, welchen er meint.

Vergangene Woche ging die Sache durch die Medien: ein Mann verabschiedete sich als Lehrer in die Sommerferien und kam als Lehrerin zurück. Einige Eltern zeigten sich schockiert. Und Philipp zeigte sich über diese Eltern schockiert. Wir leben in einem freien Land, ja, eh, und jeder kann tun was er/sie will. Okay. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr verstehe ich die Eltern. Denn sie haben – berechtigt – die Frage aufgeworfen, wie eine Person im Einklang mit sich selbst sein kann, die sich im eigenen Körper offensichtlich nicht wohl fühlt. Und eignet sich so eine Person als Vorbild? Andererseits: sind die anderen, vermeintlichen „Normalos“, besser?

Was haben wir aus dem Missbrauchsskandal in der Kirche gelernt? Wohl, dass die Dinge nicht so sind wie sie scheinen. Ich glaube, dass man die Sache nicht verallgemeinern kann und jeden einzelnen Fall prüfen muss, ehe ein Urteil gefällt wird. Doch die Überprüfung der sozialen Kompetenz unserer Lehrer will sich der Staat nicht leisten. Lieber werden Unsummen in sinnlose Waffen (man denke an die Eurofighter), sinnlose Polit-Kampagnen (eigentlich die aller Parteien) und noch sinnlosere Steuerreformen (darunter die Vermögenssteuer, damit die Reichen ins Ausland abhauen und Österreich von ihrer Kohle noch weniger hat) gepumpt.

Nun gut, genug davon. Bleiben wir beim Thema Toleranz. Die „Presse“ titelte in ihrer Wochenendausgabe „Feinbild Islam.“ Ich habe die Geschichte mit großem Interesse gelesen. Demnach stoßen die Moslems in den USA auf immer mehr Ablehnung, in Europa ist das schon lange so.

Eines vorweg:
Diskriminierung, welcher Art auch immer, ist abzulehnen. Allerdings auf beiden Seiten. Bei all meinen Reisen in muslimische Länder fühlte ich mich bislang diskriminiert. Und das nicht einmal, sondern immer. Mehrfach wurde mir erklärt, wie scheiße das Christentum sei, wie gut der Islam und ach ja, wie verhurt die westlichen Frauen doch wären. In Istanbul war es am schlimmsten. Jeden Tag war da mindestens einer, der mich auf offener Straße gefragt hat, ob ich nicht mit ihm mitgehen wolle. „In diese Länder reist man als blonde Frau nicht alleine, sonst wird man eben doof angemacht“, erklärte mir ein Bekannter, der dort Geschäfte macht. Schade, dass das so ist. Und schade, dass Moslems bei uns ähnliche Probleme haben.

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Ein Kommentar

  1. Christoph

    Genau das ist eines der Hauptprobleme in Bezug auf die derzeit oft angesprochene Integrationsproblematik (vor allem) bei Moslems:

    Viele von ihnen verurteilen uns zutiefst für unseren freizügigen, westlichen Lebensstil. Es kommt dann bspw. zu den oben beschriebenen Vorurteilen, alle westlichen Frauen seien “verhurt” oder Ähnliches…

    Ich persönlich glaube nicht, dass wir in der sogenannten westlichen Welt Muslime per se ablehnen, sondern die Ablehnung vielmehr kontinuierlich ansteigt, und zwar im selben Ausmaß, wie die Menschen erkennen, wie ablehnend der Islam dem Christemtum gegenüber steht.

    Es (und auch mir) fehlt einfach immer mehr das Verständnis für Menschen, die sich in einem Land niederlassen, dessen Sitten, Gebräuche und way of life sich einfach nicht im Geringsten mit deren vereinbaren lassen. Und für die auch von Anfang an bereits fest steht, dass sie sich nie im Leben in unsere Gesellschaft integrieren wollen. In diesem Zusammenhang ist es natürlich unabdingbar, zu differenzieren! Natürlich gilt das nicht für alle Muslime, aber leider doch für einen nicht zu vernachlässigbaren Teil von ihnen.

    Und wenn man dann auch noch vermehrt beobachten kann, wie diese Bevölkerungsgruppe nach und nach Forderungen stellt, wir mögen uns doch bitte IHREN Gebräuchen unterordnen, so wächst die Ablehnung klarerweise weiter. Kein Nikolo mehr im Kindergarten, kein Schweinefleisch in Spitälern oder Kasernen, etc…
    Kann man uns hier wirklich mangelnde Toleranz vorwerfen? NEIN. Aber unsere Gutmütigkeit wird leider schamlos ausgenutzt.

    Die mangelnde Integrationsbereitschaft besonders unter Muslimen wird ja tagtäglich belegt. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass es sich scheinbar für Firmen lohnt, in Österreich Produkte mit ausschließlich türkischer Aufschrift anzubieten. Was ja nichts anderes beweist, als dass offenbar noch immmer ausreichend Menschen in Österreich leben, die auch nach mehreren Generationen der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

    Und da wundern sich Leute wirklich über eine gewisse ablehnende Haltung der ansässigen Bevölkerung??

    Andere Volksgruppen schaffen es ja auch, sich ordentlich zu integrieren.

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