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Wien und seine Huren

08.11.2010 | 4 Kommentare

Über Prostitution lässt sich streiten. Ich persönlich halte nicht viel davon. Wahrscheinlich weil ich kein Mann bin und es mir nicht vorstellen kann (und nicht will), jemandem dafür Geld zu geben, mich ein bisschen, wo auch immer, zu berühren. Dennoch, und das muss ich eingestehen, ist Prostitution wichtig, sehr sogar, weil sich manche Testosteronlümmel sonst wohl noch weniger unter Kontrolle hätten. Also: Danke an alle Damen des horizontalen Gewerbes, wahrscheinlich nehmen sie allen anderen viel Arbeit ab. Doch eines sei Herren an dieser Stelle nicht vorenthalten: Fast keine Hure macht ihre Arbeit gerne, auch wenn sie oft wunderbar schauspielern und so mancher tatsächlich glauben könnte, er sei ein unschlagbarer Hengst. Das weiß ich, weil ich öfter im Rotlicht recherchiert und zahlreiche Gespräche mit Professionellen geführt habe.

Prostitution zu verherrlichen, wäre dumm, zu sagen, sie gehöre abgeschafft, noch dümmer, zumal die Nachfrage nach käuflichen Liebesdiensten immer bestehen wird. Umso wichtiger ist eine klare Regelung der Prostitution. Wien ist in diesen Belangen – wie in vielen anderen auch – verschlafen. Politikerinnen aller Lager bekämpfen Prostitution und erreichen damit genau das Gegenteil: Zuhälter aus dem Osten lassen hier ihre Mädchen anschaffen, Menschenhändler erleben einen noch nie da gewesenen Zustrom. Das weiß auch die Wiener Polizei, wie mir ihr Sprecher Hans Golob bestätigt. Darum würde man jetzt vermehrt kontrollieren, meint er. Aha. Das Problem ist allerdings, dass die Sache nach hinten losgeht. Denn die Polizei lässt Bordelle hochgehen und brummt Betreibern Strafen wegen angeblichen Verstößen gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz auf – und übersieht dabei eines: Es sind genau diese Bordellbetreiber, die dafür sorgen, dass die Frauen ihre Gesundenkontrollen regelmäßig durchführen und zu nichts gezwungen werden.

Alexander Gerhardinger ist so ein Betreiber. Er führt das Wiener Goldentime und muss sein Bordell zusperren, so er die verlangten Summen tatsächlich bezahlen muss. Noch mal: ich finde Prostitution nicht gut, aber wenn jetzt Wiens Bordelle tatsächlich dichtmachen müssen, öffnen wir illegaler Prostitution damit erst die Pforten.

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4 Kommentare

  1. Otto

    Nun, dem widersprechen aber jüngste Online-Artikel, wie z.B. jener hier: http://www.vienna.at/news/english/artikel/romania—austria-prostitution-ringleaders-face-trial/cn/news-atv-cfa666de8cbdbc94ffeb4c785f547942
    Diesen Herrn Peter B., der darin im letzten Satz genannt wird, den haben Sie, Fr. Jelincic, ja persönlich kennen gelernt und interviewt. Wenn sich die Vorwürfe als richtig herausstellen (was ich mir schon allein auf Grund der prominenten Gästeliste dieses Hauses nicht vorstellen kann), dann könnte man ja daraus ableiten, dass Bordelle, so nobel und ’seriös’ sie auch sein mögen, mit dem grassierenden Auswuchs des Menschenhandels gut koopieren - wenn es kein Regulativ gibt… Ich bin ganz und gar nicht gegen Bordelle, sehr wohl aber gegen modernen Sklavenhandel, weiß aber wirklich nicht, wie man beides auf lange Sicht auseinander halten könnte, ohne zu restriktiv zu werden. Wie wär’s mit gröberen Sanktionen für die Freier?

  2. Nun, dem widersprechen aber jüngste Online-Artikel, wie z.B. jener hier: http://www.vienna.at/news/english/artikel/romania—austria-prostitution-ringleaders-face-trial/cn/news-atv-cfa666de8cbdbc94ffeb4c785f547942
    Diesen Herrn Peter B., der darin im letzten Satz genannt wird, den haben Sie, Fr. Jelencic, ja persönlich kennen gelernt und interviewt. Wenn sich die Vorwürfe als richtig herausstellen (was ich mir schon allein auf Grund der prominenten Gästeliste dieses Hauses nicht vorstellen kann), dann könnte man ja daraus ableiten, dass Bordelle, so nobel und ’seriös’ sie auch sein mögen, mit dem grassierenden Auswuchs des Menschenhandels gut koopieren - wenn es kein Regulativ gibt… Ich bin ganz und gar nicht gegen Bordelle, sehr wohl aber gegen modernen Sklavenhandel, weiß aber wirklich nicht, wie man beides auf lange Sicht auseinander halten könnte, ohne zu restriktiv zu werden. Wie wär’s mit gröberen Sanktionen für die Freier?

  3. Mike

    Es soll jeder machen, was er will!

  4. agnes

    dabei weiß eh schon jeder, dass polizisten selber ständig in puffs herumsitzen

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