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Wie man „zufällig“ zu viel Geld kommt…

13.12.2010 | Keine Kommentare

Die Sache ist nur zu komisch. Also, ich habe die Handynummer von Ivo Sanader, dem Ex-Ministerpräsidenten Kroatiens, der gerade in Salzburg inhaftiert worden ist. Und das kam so: am Samstag rief mich ein Freund an, der für RTL Kroatien arbeitet. „Weißt du etwas Neues über Sanader?“, fragte er. „Hm, noch nicht, aber ich kann dir am Montag mehr dazu sagen“, entgegnete ich ihm. Dann fragte er mich, ob ich die Handynummer von Sanader wolle. „Na klar will ich, woher hast du die?“ Er sagte, „vom Anwalt von Sanader. Dem ist da etwas total Peinliches passiert. Er hat eine SMS von Sanader in die laufende Kamera gehalten und jeder konnte so nicht nur die SMS Sanaders lesen, sondern auch seine Nummer.“ Na wunderbar! Die Nummer wird also nicht viel bringen, Sanader reagiert bestimmt auf keine Anrufe mehr. Egal. Der kroatische Ex-Präsident, der auch in Österreich Geschäfte machte und in die Affäre rund um die Hypo-Bank involviert gewesen sein soll, sitzt jetzt jedenfalls im Häfn. Die Frage ist, warum ausgerechnet in Österreich. Er war ja mit dem Auto wieder auf dem Weg zurück nach Kroatien, warum also die Eile? Jetzt könnte sich seine Auslieferung nach Kroatien, die unser Außenminister schon angekündigt hat, nur unnötig in die Länge ziehen. In Kroatien wird spekuliert, dass ihn seine österreichischen Freunde schützen wollen, die vielen, denen er geholfen haben soll, in Kroatien billig Grundstücke zu erwerben. Aber Stopp! Für Sanader gilt ja die Unschuldsvermutung. Fast hätte ich es vergessen. Genauso wie für unseren Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der bei so manchem Geschäftsdeal mitgeschnitten haben soll. Sie alle sind, wie sie selbst beteuern, unschuldig. Also lassen wir sie in Ruhe. Es waren wahrscheinlich viele kleine Vögel, die damals um des Geldes wegen Geheimnisse aus dem Finanzministerium preisgegeben haben (und nicht Grasser) und wahrscheinlich war es auch nicht Sanader, der sich mit seinem vergleichsweise bescheidenen kroatischen Politikergehalt Uhren und eine Kunstsammlung zugelegt hat. Also genug davon! Die Herren sind unschuldig!

Ein Tipp am Rande für alle, die noch Weihnachtsgeschenke suchen: im Wiener Rabenhof spielt es noch länger das von Florian Scheuba verfasste Stück „Unschuldsvermutung“, wo schillernde Geschäftemacher brilliant aufs Korn genommen werden. Unbedingt ansehen! Einfach genial, weil es einmal mehr die Unschuld von „zufällig“ zu Vermögen gekommenen bekannten Herren wie Grasser, Elsner, Mensdorff-Pouilly & Co zeigt.

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