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Katastrophenjahr 2010

27.12.2010 | Keine Kommentare

Machen wir uns nichts vor und suchen wir bitte nicht nach irgendwelchen blumigen Worten, um das Jahr 2010 zu beschreiben, denn es war vor allem eines: beschissen. Ich kenne niemanden, wirklich niemanden, der von einem guten Jahr sprechen kann. Astrologen haben dafür natürlich eine Erklärung: die Sterne haben Schuld, die Konstellationen seien einfach zu problematisch gewesen und großes Unglück war somit programmiert. Das kann man glauben oder auch nicht, ich tu’s nicht, aber am Resultat ändert’s ohnehin nix: es war ein beschissenes Jahr, ein Katastrophenjahr. Denken wir an Haiti. Ein 7,0-Erdstoß legte die Hauptstadt Port-au-Prince in Schutt und Asche, mehr als 300.000 Menschen kamen ums Leben. Danach kam die Cholera und mit dem wachsenden Elend der Bevölkerung wurde vergewaltigt, geplündert und gemordet. Eine mutiger Kollege, Andreas Lexer, ist auf Haiti und berichtet von anhaltender Gewalt und anderen Schreckensbildern. Doch bleiben wir in Europa, am besten bei unseren Nachbarn. In Deutschland kamen bei der Love Parade in Duisburg zwei Dutzend Jugendliche ums Leben. Die Bilder der Katastrophe bleiben uns ebenso in Erinnerung wie jene aus Haiti. Ganz zu schweigen von den vielen Kriegsschauplätzen, etwa im Nahen und Mittleren Osten, wo Vergewaltigungen und andere Gräueltaten den Alltag bestimmen. Meine Mutter meinte unlängst: „Denken wir doch an das Gute!“ Gut, dann denken wir an das Gute. Denken wir an die glamouröse Hochzeit von Königin Victoria von Schweden, denken wir an den Sieg von Sebastian Vettel in Abu Dhabi und an den Oscar für Christoph Waltz – aber, mal ehrlich, ist das nicht ein Witz? Wo sind nennenswerte Jubelmeldungen und wo spektakuläre Rettungen? Erst im Oktober verseuchte giftiger Schlamm 40 Quadratmeter ungarischen Boden. Und wer wird die Ölkatastrophe am Golf von Mexiko je vergessen? Jenes Ereignis, das in der Zeit vom 20. April bis 16. Juli 2010 Schätzungen zufolge bis zu eine Million Tonnen Öl ins Meer strömen ließ und Flora und Fauna auf Jahrzehnte zerstörte? 2010 war ein beschissenes Jahr, oder etwa nicht?

Nicht einmal „Wetten, dass..“ kann man sich seit dem Sturz von Samuel Koch noch in Ruhe ansehen. Der Junge wird bekanntlich nie mehr wieder laufen können und wenn, dann nur durch ein Wunder. Statistisch gesehen sind heuer besonders viele Beziehungen in die Brüche gegangen und die Wirtschaftskrise ist weder in Europa ausgestanden noch sonst wo (mit Ausnahme auf jene Länder, denen es bislang so dreckig ging, dass es einfach bergauf gehen musste). Auch in meinem eigenen Umfeld jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Renato, ein Freund, liegt im Koma auf der Intensivstation. Seine Aorta ist geplatzt. Was bleibt, ist die Hoffnung.

2010 war ein Katastrophenjahr, hoffen wir, dass 2011 keines wird.

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