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Importierter Terror

24.01.2011 | Keine Kommentare

Ein wenig habe ich mich schon über ihn geärgert. Aber was soll’s: Er ist mein Chef und manchmal hält man eben besser den Mund. Es ging um das Buch, das ich gemeinsam mit meinem Kollegen Andi Lexer für den Salzburger Atomphysiker Friedrich Steinhäusler geschrieben habe. Steinhäusler ist Sicherheitsbeauftragter von NATO und EU und Andi und ich waren die Ghost Writer für sein neues Buch „Terrorziel Europa.“ Ihr denkt Euch jetzt sicher, dass ich Werbung in eigener Sache mache. Nun, stimmt. Ich bin zwar (leider) nicht am Verkaufsgewinn beteiligt und auch steht mein Name nicht am Cover – sondern lediglich im Kleingedruckten irgendwo unten auf den ersten Seiten – aber natürlich freut es mich, wenn sich das Buch gut verkauft. Zurück zu meinem Chef: Also, er meinte, was Steinhäusler in dem Buch behaupte, würde nie eintreffen. Österreich sei eine Insel der Seligen, erklärte er mir. Nun gut. Schon klar, dass große Metropolen wie London, Paris und Madrid für internationale Terroristen, zum Beispiel Ableger der Al-Kaida, attraktivere Zielscheiben sind, doch droht auch unserem Land Gefahr. Und zwar von innen.

Österreich ist so wie die meisten anderen europäischen Staaten mit einem massiven Integrationsproblem konfrontiert. Vor allem die 339.000 Muslime im Land stehen wachsender Chancenlosigkeit gegenüber und fühlen sich ausgegrenzt. Zu Recht: In den Wiener „Ausländerbezirken“ werden verhäuft Übergriffe auf Muslime registriert, darunter Frauen mit Kopftuch. Fremdenfeindlichkeit und fehlende Chancengleichheit bei der Arbeitssuche sorgen für Frustration, terroristische Aktivitäten sind nach Meinung von Experten realistische Szenarien.

Dass wir uns nicht in Sicherheit wiegen dürfen, zeigten schon die Verhaftungen von Mohammed M. und seiner Frau im Jahr 2007. Jenes Ehepaar, das Kontakte zur Al-Kaida gepflegt und Drohvideos gegen Österreich produziert hatte. Nur zwei Jahre später erlebte Österreich einen spektakulären Fall von religiös motiviertem Terrorismus, als im Mai 2009 bewaffnete Inder einen Tempel in Wien stürmten, wo zu der Zeit Gurus einer indischen Sekte predigten. Ein Risiko ergibt sich für uns auch aus unserer Nähe zum Osten. Diaspora-Gesellschaften haben sich angesiedelt, etwa Regimegegner aus Tschetschenien, die Wien als Stützpunkt ihrer Exilregierung nutzen. Sicherheitskräfte sind seither in Alarmbereitschaft. Darüber hinaus droht die Gefahr, dass hier niedergelassene Völkergruppen ihren Hass auf österreichischem Boden austragen: Serben und Kosovo-Albaner, Kurden und Türken, Israelis und Palästinenser – seit Jahren brodelt es. Hinzu kommt die Ablehnung westlicher Werte, die Iraker oder Afghanen darüber empfinden könnten, dass europäische Truppen in ihre Länder einmarschiert sind. Symbolhaft könnte Österreich zur Zielscheibe werden.

Ist das alles nun wirklich so an den Haaren herbeigezogen? Sind wir nun eine Insel der Seligen? Sicher nicht, denn es reicht, wenn sich einige wenige zusammenschließen und durch Bombenattentate hunderte oder gar tausende Menschen in den Tod reißen.

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