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Grassers Schönheitsproblem

07.02.2011 | Keine Kommentare

Ja, das Leben, das kann grausam sein. Zum Beispiel, wenn man irgendwo in Äthiopien sitzt und Hunger leidet. Oder, wenn man dazu verdammt ist, seine Winter bei Minus fünfzig Grad in den Tiefen Sibiriens zu fristen. Oder, wenn man Karl-Heinz Grasser heißt und das seltene Unglück hat, zu schön für diese Welt zu sein. Zumindest hat das der Sunnyboy letzte Woche vor laufender Kamera erklärt. Denn da las Österreichs ehemaliger Finanzminister aus dem Brief eines – angeblich weiblichen – Fans vor. Ein Brief, den er sich zu Hause wohl wieder und immer wieder selbst vorliest. Und seiner Fiona, die ja auch zu schön ist. Die Armen.

Nun gut. Dass der Mensch gemeinhin neidig ist, damit hat Grasser wohl nicht so Unrecht. Doch dass deshalb alle mit vereinten Kräften hinter ihm her sein sind, das erscheint wohl etwas vermessen. Eine „Jagdgesellschaft“? Nun, das Volk ist, lieber Herr Magister Grasser, nicht dumm. Die Menschen haben es satt, sich ständig narren zu lassen. Menschen, die ihre Familien durchfüttern müssen, zur Arbeit laufen und dafür vergleichsweise schlecht entlohnt werden. Wen überrascht es da, dass Sie für Ärger sorgen, mit ihren Konten in Liechtenstein? (Niemand versteht, warum ein früherer Politiker mit einem mittelmäßigen Gehalt diese überhaupt braucht.)

Nein, Herr Magister, nicht ihre Schönheit ist es, die viele mit Neid erfüllt. Und mir sind auch ihre Konten in Liechtenstein egal. Es fühlt sich nur nicht gut an, für dumm verkauft zu werden. Aber das tun Sie ja nicht, Sie würden das ja nie tun. Auch, dass Sie vergessen haben, Steuern zu bezahlen, ist ein unglücklicher Zufall. Nur gut, dass Sie – rechtzeitig – Selbstanzeige erstattet haben. Und nur gut, dass Sie sich jetzt wehren und gleich drei Beschwerden gegen das Vorgehen der Justiz in der Buwog-Causa ankündigen. Sie wollen sich unter anderem ja an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wenden, weil Sie „kein faires Verfahren“ haben sollen.

Ach, endlich versteh ich, warum Schönheit leiden muss…

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