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Einer wie Strasser kommt selten allein

28.03.2011 | Keine Kommentare

Wahrscheinlich habe ich versagt. Um ehrlich zu sein, nicht nur wahrscheinlich, sondern sogar ganz sicher. Ein guter Bekannter hat mir schon vor einem halben Jahr erzählt, dass Ernst Strasser, einst österreichischer Innenminister, in Brüssel als Lobbyist gute Geschäfte machen würde – und dabei sein politisches Amt missbrauche. Ich fand die Story gleich gut, sagte aber, dass die Nuss nicht zu knacken sei: „Du, das kriegst nur am Boden, wenn du dich als potenzieller Kunde ausgibst und ihn in die Falle lockst. Die Story nimmt mir Strasser nie ab“, sagte ich damals. Alex, an dieser Stelle danke für die Story, ich habe versagt. Heute würde ich anders reagieren. Du hattest Recht: Strasser war leichte Beute.

Sein „Lobbygate“ macht eigentlich sprachlos. Nie in der prallen heimischen Skandalgeschichte wurde ein Politiker so einfach überführt wie unser Ex-Minister. Abgewrackt und zynisch sitzt er da und spricht in die versteckte Kamera der „Sunday Times“: „My clients pay me for a year 100.000, yes.“ Wie peinlich, wie schrecklich peinlich für unser Land. „Ekliger als Ernst Strasser kann sich ein Politiker kaum verhalten“, urteilt Daniela Kittner im „Kurier“ über den „Scheckbuch-Mandatar“. Also: „Mache alles, Hauptsache, die Marie stimmt.“ Damit ist wohl alles gesagt.

Mit Strasser ließen die Journalisten eine ganze Reihe anderer EU-Mandatare hochgehen, viele davon aus osteuropäischen Ländern. Was lernen wir daraus? Dass Menschen wie Strasser in politisch wichtigen Ämtern sitzen – und sich nichts daran ändern wird. Denn einer wie Strasser kommt offenbar selten allein.

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