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Amerikanischer Wahnsinn

09.05.2011 | Keine Kommentare

Es war eine Frechheit. Anders kann man es nicht bezeichnen. Vor einer Woche bin ich mit meiner Mutter, die immerhin schon siebzig ist, nach New York geflogen. Seit Monaten schon haben wir uns auf diese Reise gefreut. Doch wenige Augenblicke nach der Landung war klar, dass das Abenteuer New York verhalten beginnen würde. Ganze zwei Stunden mussten wir warten, ehe uns die Amis in ihr geliebtes Land ließen. Fotos wurden geschossen, Fingerabdrücke genommen. Nicht nur von einem Finger, nein, von allen. Mühsam, weil zeitaufwendig und weil meine Mutter kaum mehr stehen konnte. Und dann auch noch diese doofen, überflüssigen Fragen. „Wie lange bleiben Sie?“ „Was machen Sie hier?“ „Haben Sie Verwandte in den USA?“ „Was arbeiten Sie?“ Wahnsinn. Die haben nicht nur Angst, dass ihnen eine siebzigjährige Frau und deren Tochter die Bude in die Luft sprengen, sondern auch, dass sie hier bleiben. Mal ehrlich, selbst wenn es so wäre, würden wir es wohl nicht zugeben. Warum also diese stupiden Fragen?

Okay, ich versteh schon, seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist Vorsicht geboten. Doch das Ganze driftet ins Lächerliche ab. Ebenso wie die Berichterstattung, die peinlich, überzogen und völlig abgehoben ist. Ob CNN, NBC oder Fox: die Amis rühmen sich damit, ihren Staatsfeind Nummer eins, Osama bin Laden, umgebracht zu haben. Ihn kaltblütig vor den Augen seiner Familie abgeschlachtet zu haben. Mal ehrlich, was ist daran so ruhmreich? Klar, Osama war ein Wahnsinniger, der den Tod vielleicht verdient hat, doch sind es nicht gerade die Amerikaner, die ständig predigen, dass jedem der Prozess gemacht werden müsse? Mir fehlen die Worte, zu schildern, wie im Fernsehen damit geprallt wurde, ihn gekillt zu haben. Lang und breit haben Offiziere geschildert, mit welcher ausgeklügelten Taktik man sich dem Feind aus dem Hinterhalt genähert und ihn schließlich erwischt habe.

Präsident Barack Obama war letzte Woche in New York, um den vermeintlichen Sieg zu feiern. Er, Obama, war stolz ihn, Osama, zur Strecke gebracht zu haben. Wahnsinn eigentlich, dass „Opfer“ und „Täter“ nur ein einziger Buchstabe trennt.

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