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Markus Lanz, ein (zu) braver Junge

30.05.2011 | Keine Kommentare

Markus Lanz, ein (zu) braver Junge

Lasst mich zur Abwechslung mal eine Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte einer jungen Journalistin, die ins deutsche Fernsehen durfte, in den hohen Norden, nach Hamburg zum ZDF. Nun, ehe ich weitererzähle, sollte ich erwähnen, dass ich diese Journalistin bin. Früher oder später wärt Ihr ohnehin draufgekommen. Also, vor einer Woche hat mich Markus Lanz, ein bekannter deutscher TV-Moderator, den hierzulande allerdings (fast) niemand kennt, in seine Talksendung gebeten. Sonderliche Lust darauf hatte ich keine. Das schien mir eine Nummer zu groß, schließlich sieht da ein Millionenpublikum zu und ich würde entsprechend nervös quasseln, dachte ich. Mein Verleger meinte, das sei alles halb so wild und ich müsste das Buch, das ich vor zweieinhalb Jahren geschrieben hatte, „die nackte Elite“, nur noch mal ordentlich promoten. Na schön, also auf nach Deutschland!

Ich kann nicht sagen, dass ich den Ausflug in die Hansestadt bereue, aber ich muss schon sagen, dass mir beim Gedanken daran mulmig wird. Markus Lanz ist ein braver Junge. Ein zu braver Junge. In der Sendung hätte es ja eigentlich um das Thema Macht und Sex gehen sollen, über Ausschweifungen aller Art (zumindest stand das so im Fernsehprogramm), aber stattdessen unterhielt sich Lanz die meiste Zeit über mit dem Promi-Koch Christian Rach und das nicht über Macht und Sex, sondern über dessen eigenes Leben. Wie öde! Dabei saß neben mir ein bekannter Wiener Bordellbetreiber, Alexander Gerhardinger, der fantastische Geschichten aus dem Milieu kennt, die Lanz wahrscheinlich einen Seherrekord beschert hätten. Gerhardinger, Chef des Saunaclubs Goldentime, der jüngst sogar ein Buch über seinen Puff schrieb, kennt sie alle, die Eskapaden der Reichen und Mächtigen, und hat für sie sogar Dissertationen verfasst. Was für eine Story, unfassbar eigentlich! Aber nix. Lanz schrammte am Thema vorbei und konzentrierte sich auf Belanglosigkeiten eines Kochs und einer Gerichtsreporterin des „Spiegel“ (die von den deutschen Medien ohnehin zum Saufüttern vorgeführt wird). Eigentlich enttäuschend, aber unterm Strich wars ein netter Aufenthalt. Für Lanz tat es mir nur leid. Er hätte kein zu braver Junge sein sollen. Damit hat er sich und sein Publikum um so einiges gebracht.

PS: Übrigens kam auch ich zu Wort, so einige Sätze durfte ich schon sagen. Ausreichend.

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