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Gnade vor Recht

27.06.2011 | Keine Kommentare

Sein Auftritt war eine Frechheit, keine Frage. Überheblich und aufgeblasen trat Evangelos Venizolos, Griechenlands Finanzminister, in Luxemburg vor seine Amtskollegen: Er sei hier, tönte er, um über die Bedingungen des Sparpakets noch mal zu verhandeln. Und die Kollegen aus den Euro-Ländern sollten aus der im Juli notwenigen Stützzahlung von zwölf Milliarden Euro keine Staatsaffäre machen. Das ist in etwa so, als würde ich mich in die Villa eines Freundes einladen lassen, mich dort ungeniert bewirten lassen und dann fragen, warum ich nicht auch noch Kaviar und Champagner serviert bekomme. Entsprechend ist auch die Reaktion auf Venizolos¹ dreiste Ansage gewesen. Beobachter der Szene berichten, dass die Stimmung im Saal schlagartig gesunken sei. Der Grieche erntete auch aufgrund seiner inhaltlichen Ahnungslosigkeit Kopfschütteln.

Venizolos¹ Auftritt ist beunruhigend, geht aber auch als fahrlässig durch.
Denn die griechische Tragödie wächst sich in Riesenschritten zum europäischen Drama aus, in dem alle Beteiligten entweder ahnungslos oder planlos agieren. Dennoch sollten wir kühlen Kopf bewahren ­ und den Griechen helfen. Und das nicht nur, weil sie Teil der EU sind und allein schon deshalb eine solidarische Denke zugrunde liegen sollte: Eine Staatspleite hätte weit reichende Folgen ­ für alle Europäer. Griechenland würde keine Gehälter mehr zahlen können, die griechischen Banken wären bankrott, und ein Urlaub auf den Inseln in Hellas hätte nur geringen Erholungswert. Zudem wären auch alle Bürger in Europa direkt betroffen, weil Versicherungen, Pensionsfonds und Banken in ganz Europa in unterschiedlichem Ausmaß in griechischen Staatsanleihen investiert sind und die Folgen der Pleite die Bevölkerung ­ also die Steuerzahler ­ zu tragen hätten. Den Zorn der Bürger bekämen in der Folge die Regierungen in allen Euro-Ländern an der Urne oder gar in Form von Gewalt auf den Straßen zu spüren. Ein griechischer Staatsbankrott wäre somit auch ein sicheres Ende für Faymann, Merkel, Sarkoy & Co.

Fazit: Wir müssen den Griechen helfen, auch wenn wir nicht wollen. Und den Auftritt von Evangelos Venizolos sollten wir lieber heute als morgen vergessen. Denn für ihn gilt ebenso wie für sein Land: Gnade vor Recht!

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