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Gefährlicher Abgrund

05.07.2011 | Keine Kommentare

„Abgrund Mann.“ So lautet der Titel der dieswöchigen Cover-Geschichte des Nachrichtenmagazins profil. Und im Vorspann steht: „Trotz seiner spektakulären Freilassung steht Dominique Strauss-Kahn vor den Trümmern seiner Reputation. Warum riskieren Männer wie er, Arnold Schwarzenegger oder Jörg Kachelmann für Sex den existenziellen Totalschaden? Sind sie gar Opfer einer Sucht oder doch nur narzisstisch gestörte Egomanen?“ Nun, um die Antwort darauf zu finden, hätte es wohl keiner zehnseitigen Geschichte bedurft. Erstens: Ein Mann ist kein Abgrund. Zumindest nicht von Geburt an. Zweitens: Für Sex haben diese Männer bestimmt keinen existenziellen Totalschaden riskiert. Zumal keine der Frauen, mit denen sie Sex hatten, von solch seltener Schönheit, Intelligenz und Anmut waren, dass es sich gelohnt hätte, ein Leben gegen wenige Augenblicke der Lust einzutauschen. Vielmehr ging es um das Ausüben von Macht und um den Kick, den besonderen Reiz, etwas Verruchtes oder gar Verbotenes zu tun. Drittens: All das macht diese Männer noch zu keinen Opfern einer bestimmten Sucht oder gar zu narzisstisch gestörten Egomanen, sondern ganz einfach zu geistig unreifen (wenn auch geschlechtsreifen) Jungs, die es cool finden, Ärger zu machen und sich an ihren eigenen Schandtaten ergötzen.

Die nicht enden wollende Diskussion um Strauss-Kahn wird allmählich öde. Ist es nicht egal, was in seinem Hirn bzw. unterhalb seiner Gürtelschnalle passiert? Ich finde es nur beschämend, dass er ungescholten davonkommt. Nach allem, was die vielen Frauen, die er über die Jahre hinweg belästigt hat, zu berichten wissen – und nach allem, was auch er selbst zugegeben hat. Für sexuelle Nötigung hätte der Gute schon öfter verknackt werden müssen. Beschämend ist auch, wenn ich auf Internet-Foren lese, wie cool Arnie doch sei. Der ist höchstens peinlich. Der Haushälterin ein Kind zu machen, wenn die eigene Frau mal shoppen ist, ist unsexy. Und die Sado-Maso-Spiele eines Jörg Kachelmann bringen mich zum Gähnen. Gibt es Gerechtigkeit, so wünsche ich mir, dass er an eine Frau gerät, die ihm zeigt, wie sexy Gewalt wirklich ist (beim Einstecken soll er ja weit zurückhaltender sein als beim Austeilen). Nun, um den Kreis zu schließen: Männer sind keine Abgründe. Einige haben allerdings den Boden unter den Füßen verloren und könnten selbst in Abgründe stürzen.

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