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Wie krank sind wir?

25.07.2011 | Keine Kommentare

Ein Zwölfjähriger vergewaltigt seine Schwester und meint, er habe sich nicht viel dabei gedacht, weil er im Internet ja ständig Ähnliches sehe. Ein Vater schwängert seine Tochter, und ein anderer bringt sie, nachdem er sie vergewaltigt hat, um. Eine Mutter quält ihren Sohn, schlägt ihn täglich mit stumpfen Gegenständen wund, bis sich dieser verzweifelt das Leben nimmt. Das Internet ist voll mit solchen und ähnlichen Schreckensmeldungen, doch wir interessieren uns kaum dafür – obwohl es keine Einzelfälle sind. Da muss schon einer wie der Norweger Behring Breivik daherkommen und fast hundert Menschen niedermetzeln, ehe wir uns endlich die Frage stellen, was mit unserer Gesellschaft los ist. Wie krank sind wir eigentlich?

Als ich das Foto von Behring Breivik gesehen habe, war ich überrascht. Warum der? Der sieht doch ganz gut aus, nicht frustriert oder irre, sympathisch und „normal.“ Vom Typ ist Breivik der nette Junge von nebenan, ein hübscher 32-Jähriger, in den sich bestimmt schon viele Mädchen verknallt haben. Dabei war an Breivik gar nichts „normal“, jahrelang schon hatte er den Massenmord geplant. Mich beschäftigt aber weniger Breivik. Mich beschäftigt vielmehr die Frage, wie er es schaffen konnte, diese Tat zu begehen. Im Internet hat sich der blonde Mann mit den klaren großen Augen immer wieder inszeniert, war in vielen Foren kein Unbekannter und schrieb wirre Manifeste über die Rettung Europas. „Die Zeit für Dialog ist vorbei. Wir haben dem Frieden eine Chance gegeben. Jetzt ist die Zeit für bewaffneten Widerstand gekommen“, schrieb Breivik einmal. Doch die Worte des jungen Mannes hat niemand Ernst genommen. Und warum nicht? Weil die Gesellschaft krank ist, weil es Hunderte, nein Tausende wie Breivik gibt, die einfach zum „System“ gehören. So ist die Welt nun einmal, hat mir ein Bekannter gestern gesagt. Verrückte gebe es eben überall, das könne niemand ändern. Ist es wirklich so?

Ich glaube nicht. Was wir tun können, ist auffälliges Benehmen zu melden. Meldung erstatten, wenn der Nachbarssohn windelweich geprügelt wird. Meldung erstatten, wenn sich die Nachbarstochter von jedem unter den Rock greifen lässt (was laut Psychologen oft ein Indiz für Missbrauch ist). Meldung erstatten, wenn jemand auf Facebook schreibt: „Die/den werde ich killen.“ Klar, wir können uns irren und die Lage falsch einschätzen, aber das ist immerhin besser als einen wie Breivik bei seiner Tat zu unterstützen.

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