Home / Allgemein / Es wird ernst

Es wird ernst

08.08.2011 | 1 Kommentar

Langsam bekomme ich Angst. Überall mehren sich die Anzeichen einer neuen Finanzkrise, und unsere politischen Führer zeigen sich hilflos und überfordert. Die USA ringen mit einem enormen Haushaltsdefizit, in Europa finden Notenbanker und Regierungschefs kein Rezept gegen die rasante Talfahrt des Euro. Ökonomen meinen schon seit Wochen, dass die aktuelle Lage sehr an die wirtschaftliche Angststarre nach der Leman-Pleite vom 15.

September 2008 erinnert. Erst heute erzählte mir ein Broker, er habe sein Wertpapierportfolio verkauft – sicher sei sicher. Und obwohl die Lage ernst ist, diesseits wie jenseits des Atlantiks, weil Ländern und Regierungen das Geld ausgeht, kümmert das offenbar niemanden: Meinen Nachbarn nicht, meinen Zahnarzt nicht und auch meine Freunde nicht. „Uns betrifft das nicht“, lautet die allgemeine Denke. Doch das stimmt nicht. Es ist ein schwerer Fehler zu glauben, dass nur den Griechen, Spaniern, Italienern oder Portugiesen harte Zeiten bevorstünden. Schaut doch auf unsere Straßen! Den Menschen geht das Geld aus, immer mehr Bettler lungern auf den Gehsteigen herum, und die Bürger sind frustriert, weil die Steuerprüfungen akribischer und die Radarstrafen höher werden. Ökonomen warnen vor Revolten, doch die Regierenden tun das als „Schwarzmalerei“ ab. Dabei wird die bevorstehende Krise uns alle treffen, spätestens, wenn wir draufkommen, dass unser Sauererspartes ob der rasanten Inflation nichts mehr wert ist. Also, was tun? Meine Kollegen und ich haben diese Frage schon vielen Wirtschaftsforschern gestellt, eine Lösung hatte aber niemand parat. Eine Antwort, die mir einer unter vier Augen gegeben hat: „Wir können leider nicht viel tun. Es wird so sein wie nach dem zweiten Weltkrieg. Wir werden bei null anfangen. Allerdings wird es noch dauern, bis es soweit ist.“

Antwort schreiben 25048 Aufrufe gesamt, 2 Aufrufe heute  
Diskussion verfolgen

Ein Kommentar

  1. admin

    Folgender Text ist von Roman G. Lechner:

    meiner meinung nach ist gar nichts ernst, ganz im gegenteil, es ist eine riesengroße chance endlich dem sumpf zu entfliehen.

    sämtliche leser mit der aussage im regen stehen zu lassen, dass wir bald bei null anfangen werden, halte ich für bedenklich. viel mehr sollten wir die zeichen endlich deuten und die aufgaben lösen. und das jeder in seiner eigenen welt.

    überlegen sie mal, sehr geehrte frau doktor, dass der einfache bauer mit seinen drei ziegen kein problem haben wird, aber der anwalt, der seine grundnahrungsmittel im supermarkt kauft, für sein wohlbefinden täglich medikamente braucht und gierig darauf hofft, dass sein geld für ihn noch mehr renditen einfährt, um sein verletztes ego weiter hinter materiellen werten zu verstecken, sehr wohl. die lösung wird nicht sein, dass wir alle bauern werden, aber es kann ein anreiz sein, sich wieder einmal gedanken darüber zu machen, wo die wahren werte zu hause sind.

    vielleicht wieder einmal darüber nachzudenken, dass die natur alles bietet, was wir brauchen und das nachhaltig und wertvoll, dass zeit für einen freund zu haben, durchaus mehr erkenntnisse bringen kann, wie die “kohle” für einen psychiater. dass ein einlassen auf einen partner erfüllender und befriedigender sein kann, wie wegzuwerfen nach oberflächlicher benutzung, um sich dann das nächste ding zu kaufen. dass ein paradeiser vom garten einfach besser schmeckt, wie eine bestrahlte, aufgeblasene tomate aus spanien. dass das hetzen von einem trend zum nächsten, mehr auslaugt, wie sich einfach mit etwas zeitlosem zu begnügen. dass der tod eines nachbarn mindestens genauso tragisch ist, wie das verenden eines drogennehmenden singsternchens. dass das schlafen in einer kleinen, feinen wohnung irgendwie erholsamer ist, wie in einem großen mit schulden finanzierten haus. dass das betrachten eines vom leben gezeichneten körpers irgendwie angenehmere gefühle hervorruft, wie das einer aufgespritzten, gruselig verschnipselten hauthülse. dass geld wichtig ist, weil bestandteil unserer welt, aber die wirklich schönen dinge unbezahlbar sind! und das ist auch gut so!

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.