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Hilfe, die Kleinen kommen!

05.12.2011 | Keine Kommentare

Es ist schon merkwürdig. Ich kenne den Mann nicht und dennoch vermisse ich ihn (jetzt schon). Thomas Gottschalk ist unschlagbar: Seine lose Klappe, sein skurriles Outfit, sein Humor, seine gespielte Unbeholfenheit, sein Charisma, sein unvergleichliches schauspielerisches Talent, seine Fähigkeit, schlechte Witze gut zu verkaufen und dabei keinen Idioten aus sich zu machen. All dasmacht ihn unentbehrlich. Klar werden wir Gottschalk noch oft sehen, aber so wir früher wird es nicht mehr sein. „Wetten, dass“ – das war einmal. Keiner macht’s so wie Gottschalk, fast jeder verblasst neben dem schrillen ZDF-Star mit der großen Nase. Eine Beauty-Offensive allein (Michelle Hunziker = fesch, abernicht sonderlich begabt) wird die Sendung auch nicht retten können. Günther Jauch scheint da ja ein kluger Kopf zu sein. Dass er dankend ablehnte, war die einzig richtige Entscheidung. Denn „Wetten, dass…“ ist ohne Gottschalk ein sinkendes Schiff.

Und jetzt? Was jetzt? Keiner weiß es. Was auffällt ist, dass öffentlich-rechtliche Sender immer mehr Seher verlieren, dass private Kanäle an Stärke gewinnen und dass publikumswirksame Formate längst nicht von großen Anbietern kommen müssen. Da muss man nicht erst in Deutschland suchen. Jahr für Jahr muss der ORF Marktanteile abgeben, worüber sich ATV, Servus TV oder Puls4 freuen dürfen. Expertin Elisabeth Ochsner (Agentur Panmedia) meint sogar, dass es in etwa zehn Jahren einen Privatsender in Österreich geben werde so groß wie ORF 1 oder ORF 2.

Seit der Vorwoche gibt es in Österreich sogar einen Sender mehr – ATV 2. Fernsehchef Ludwig Bauer will schon in zwei Jahren an die zwei Prozent Marktanteil ergattern. Und das ist keineswegs ein unerfüllbarer Wunsch. Denn: „TV-Seher werden immer treuloser“, sagt Bauer. Was er meint: Früher hatten die Menschen ihre Lieblingssender, doch heute ist es egal, ob eine Sendung auf ORF oder ATV läuft. Was zählt, ist die Sendung selbst.

„Wetten, dass…“ – das war also einmal. Denn mit dem Abgang Gottschalks hat der ZDF nicht nur das Zugpferd der Sendung verloren, sondern auch Seher.

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