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Lieber Brasilien als neue Steuern!

16.01.2012 | Keine Kommentare

Es wird immer lächerlicher. Für wie dumm hält man uns eigentlich? In der Vorwoche wurde in der U-Bahn-Zeitung „Heute“ eine Umfrage veröffentlicht. Aus der Umfrage geht angeblich hervor, dass fast jeder zweite Österreicher höhere bzw. neue Steuern befürwortet. Das ist doch wohl das Ärgste! So einen Mist habe ich schon lange nicht gelesen. Wollt Ihr wirklich noch mehr Steuern zahlen als ohnehin schon? Wollt Ihr das wirklich? Habt Ihr es so dick? So dick, dass für den Fiskus noch mehr abfallen soll? Das glaube ich nicht, das gibt es nicht! Wen haben die denn bitte befragt? Geistig Abnorme? Exil-Österreicher, die hier ohnehin keine Steuern zahlen? Oder Schwerverbrecher im Knast, die auch nix blechen? Ich weiß es nicht, aber ganz koscher ist die Sache nicht.

Die Lage in Österreich, aber auch im Rest Europas gibt wenig Anlass zur Freude. Daher will ich heute kein Wort mehr über Schulden, Steuern und Krisen verlieren. Vielmehr will ich Euch in ein fernes Land entführen – nach Brasilien. Also, für alle jene, die in besagter „Heute“-Umfrage meinten, sie seien für höhere bzw. neue Steuern: Fahrt lieber nach Brasilien und gebt dort Euer Geld aus! Brasiliens Wirtschaft erlebt einen Aufschwung und die Menschen dort freuen sich über jeden zusätzlichen Cent. Ihr könnt davon ausgehen, dass die Brasilianer besser mit Eurem Geld umgehen als Österreichs Politiker! Und: So teuer ist eine Reise durch dieses herrliche Land gar nicht. Wenn Ihr es so macht wie ich und ein Monat lang in billigen Absteigen logiert – empfindlich darf man da allerdings nicht sein – werdet Ihr inklusive Langstreckenflug mit zwei- oder dreitausend Euro durchkommen. Brasilien müsst Ihr einfach gesehen haben! Vergesst die Geschichten über gefährliche Banditos, die an jeder Ecke lauern und Geld, Uhren und Schmuck stehlen. Wenn Ihr keinen „Reichtum“ zur Schau stellt, bescheiden und mitunter abgefuckt durch die Gegend zieht, wird nichts passieren!

Also, zu Brasilien: Mit 8,5 Millionen Quadratkilometern misst das Land mehr als die Hälfte der Gesamtfläche Südamerikas. Allein die Größe Brasiliens vermag die kulturelle und landschaftliche Vielfalt zu erklären. Meine Reise fing aber eigentlich schon in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires an. Buenos Aires ist eine sehr europäische Stadt, in vieler Hinsicht erinnert sie mich an Madrid. Buenos Aires ist das New York Südamerikas, viele verschiedene Volksgruppen leben und arbeiten dort. Überall gibt es gute Restaurants und ausgefallene Geschäfte, auf der Straße verkaufen Künstler ihr Handwerk, und Musiker begeistern Touristen mit argentinischen Klängen. Die Stadt ist empfehlenswert, vor allem wegen des guten Essens und der vielen Clubs, allerdings nervt der Verkehr enorm und die argentinischen Männer halten sich für besonders tolle Kerle.

Nach Buenos Aires ging es weiter zu den legendären Iguazu-Wasserfällen. Sie bestehen aus zwanzig großen und mehr als 250 kleinen Wasserfällen. Einige davon sind sogar bis zu 82 Meter hoch. Ich war beeindruckt. Die Wasserfälle befinden sich an der argentinisch-brasilianischen Grenze und gehören zu den schönsten Naturschauspielen der Welt. Die müsst Ihr Euch ansehen! Das Einzige, was dort nervte, war der Reiseführer. Er fuhr durch einen Wasserfall ohne uns zu warnen. Ich war völlig nass und am Abend bekam ich Fieber.
Der Höhepunkt meiner Brasilien-Reise war aber Manaus. Manaus ist ein Drecksloch, die Stadt könnt Ihr vergessen. Dort braucht Ihr gute Nerven, eine unempfindliche Nase und einen Saumagen. Aber die Natur, die dieses verwahrloste Drecksloch umgibt, ist das Schönste, was ich in meinem Leben je sehen durfte: Auf der einen Seite erstreckt sich der Rio Negro, der zweitgrößte Nebenfluss der Welt. Es gibt atemberaubende Sandstrände, Einheimische, die Touristen mit auf die Jagd nehmen und sie in ihr Leben eintauchen lassen, und eine herrliche, üppige Vegetation. Auf der anderen Seite, und die gefiel mir besser, ist der Amazonas. Wir hatten das große Glück, in Manaus einen Einheimischen zu treffen, der uns mit seinem kleinen Boot zu seiner Familie mitten in den Urwald führte. Was für ein Abenteuer! Wir waren tagelang unterwegs, fuhren mit dem Boot viele kleine Wasserstraßen entlang, sahen Krokodile, seltene Affenarten, große Spinnen und Bienen, deren Stachel endlos lang schien. Da kann nicht einmal die bunte, quirlige Welt von „Alice im Wunderland“ mithalten. Am Schönsten war das stellenweise pechschwarze Wasser. Es war, als würden wir auf Öl fahren.
Danach konnte mich nichts mehr beeindrucken. Rio de Janeiro ist eine tolle Stadt, keine Frage. Die Menschen sind lebensfroh, überall wird gesungen und getanzt. Doch in der Nacht wird es auf den Straßen gespenstisch ruhig. Da ist dann Schluss mit lustig, getanzt wird abends nur noch in den Clubs, aber nach draußen wagt sich ob der Kriminalität fast keiner mehr. Sao Paulo könnt ihr vergessen. Ein Drecksloch. Da gibt es nicht viel zu sehen. Sorry, für all jene, die diese City mögen. Das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Die drei Tage dort waren drei zu viel. Überall Verkehr, überall Armut, gedämpfte Stimmung und Dreck soweit das Auge sieht.

Besser war da schon Florianopolis, wo es nur so vor Surfern aus Europa wimmelt. Die Sandstrände dort sind imposant, auch Rio hat da viel zu bieten (und das nicht nur wegen der legendären Copacabana), aber ich fand Florianopolis einfach zu schick, mit Brasilien hat das wenig zu tun. Besser fand ich da schon Salvador de Bahia. Eine wunderschöne Stadt mit einem herrlichen alten Zentrum. Allein die vielen bunten Häuser in der Altstadt sind eine Reise wert und die langen Sandstrände sind unbeschreiblich schön!

Wenn Ihr also noch nicht wisst, wo Eure nächste Reise hingehen soll, dann versucht es mit Brasilien. Das ist besser, als dem Fiskus noch mehr Steuern zu zahlen!

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