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Grasser und die böse Schwiegermama

06.02.2012 | Keine Kommentare

Ein bekannter Anwalt sagte mir mal, dass es Gerechtigkeit nur im Himmel gebe. So dieser überhaupt existiere. Wenn ich mich so umsehe, hat er zweifelsohne Recht. Der in die Telekom-Affäre verstrickte Lobbyist Peter Hochegger läuft frei herum, Ex-Immofinanzchef Karl Petrikovic auch (man denke nur an die vielen geprellten Anleger und an das auf wundersame Weise verschwundene Geld) und Ex-Politiker Walter Meischberger und Waffen-Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly werden ebenfalls regelmäßig auf dem Gesellschaftsparkett gesichtet – und Karl-Heinz Grasser? Der pflegt sein illustres Jetset-Leben munter weiter (für alle genannten Herren gilt natürlich die Unschuldsvermutung). Doch die Frage ist, ob es nicht zumindest für Grasser eng werden dürfte. Grund dafür ist seine böse Schwiegermama, die von den 500.000 Euro, die sie Grasser gegeben haben soll, offenbar nichts weiß. Denn während Marina Giori-Lhota, die Mutter von Grassers Ehefrau Fiona, nun schriftlich festhält, nicht „die wirtschaftlich Berechtigte“ jenes Kontos zu sein, wohin das Geld geflossen sein soll, meinte Grasser in einem Dokument 2010, sie sei „die wirtschaftlich Berechtigte“ des besagten Kontos. Also was nun? Haben die das nicht besser abgesprochen? Böse Schwiegermama!

Für Grasser wird es jedenfalls enger. Ob sein gut vernetzter Strafverteidiger Manfred Ainedter ihn noch retten kann, ist fraglich. Doch um ehrlich zu sein, glaube ich ohnehin nicht, dass Grasser nennenswertes Ungemach droht – eventuell eine Rüge oder eine Minimalstrafe wegen Verletzung irgendwelcher nichtvollzogener Meldepflichten. Zu marod und zu korrupt ist dieses Österreich mit seiner weit verzweigten Freunderl- und Günstlingswirtschaft. Zu verlogen und zu bestechlich sind die einzelnen Entscheidungsträger. Es gibt genügend Menschen in diesem Land, die zu Unrecht in U-Haft landeten, ehe sich teils nach vielen Monaten – oder sogar Jahren – herausstellte, dass sie keinen Dreck am Stecken hatten. Doch ist man hier reich und prominent (und vielleicht sogar schuldig) passiert gar nichts.

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