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„Zocker rotten sich selbst aus“: Interview mit Wissenschafter Dieter Broers und Werber Alois Schober

02.04.2012 | Keine Kommentare

Ein österreichischer Scheidungsanwalt sagte mir mal, dass es Gerechtigkeit nur im Himmel gebe – wenn überhaupt. Sehe ich mich so um, muss ich ihm Recht geben. Nichts scheint zu funktionieren, das Volk wird für dumm verkauft. Jetzt werden wir auch noch überwacht, nach Lust und Laune können unsere Emails gecheckt und unsere Anrufe abgehört werden. Im Grunde war es davor auch nicht besser. Der Staat weiß viel über uns, wir wissen allerdings wenig. Grasser, Hochegger, Meinl, Mensdorff-Pouilly und die vielen anderen haben uns vorgezeigt, dass unser System nicht funktioniert. Die Frage ist, warum das so ist, und die Frage ist auch, ob es besser wird.

Schon einmal hat vienna.at darüber mit dem bekannten deutschen Biophysiker Dieter Broers gesprochen. In seinem neuen Buch „Das Geheimnis des Matrix Code“ geht Broers einmal mehr den Ursachen menschlichen Verhaltens auf den Grund und erklärt in einem Interview mit dem Wiener Werber Alois Schober, warum die Welt wieder besser wird. Nun, hoffentlich haben die beiden Recht. Entscheidet selbst, ob sich Zocker tatsächlich selbst ausrotten!

vienna.at: Herr Broers, Ihr Buch sorgt für Diskussionsstoff. Sie sagen, wir würden in einer der größten gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Krisen aller Zeiten stecken, weil unser Handeln von falschen Mustern geprägt ist. Sind wir also Sklaven unseres eigenen Handelns? Sind wir von Natur aus gierig, und ist die Krise ein Beweis dafür?

Broers: Wir Menschen folgen unbewusst Matrizes, also genetisch übernommenen Programmen. Aus der Gehirnforschung wissen wir genau, dass das Gehirn oft schon eine halbe Sekunde, bevor wir eine Handlung ausführen, darüber entschieden hat. Was wir derzeit beobachten, ist, dass Matrizes aufbrechen, wie ja in vielen Teilen der Erde eindeutig zu sehen ist. Menschen, politische, wirtschaftliche und soziale Systeme sind gerade enormen Veränderungen unterworfen.

vienna.at: Woran liegt das?

Broers: Unter anderem gibt die NASA bekannt, dass das nächste Aktivitätsmaximum unserer Sonne im Jahr 2012 stattfinden und sich bis Mitte 2013 erstrecken wird. Die Sonne strahlt ein erhebliches Spektrum an elektromagnetischen Feldern aus, die sich nachweislich auf die Stimmungs- und Bewusstseinslagen der Menschen auswirken. Forscher haben schon vor mehr als zwanzig Jahren herausgefunden, dass bestimmte elektromagnetische Felder mit bestimmten Bewusstseinslagen korrelieren. Um es vereinfacht zu sagen: Die erhöhten Sonnenaktivitäten sind in der Lage, bei vielen Menschen ein erweitertes Bewusstsein einzuleiten.

vienna.at: Blickt man sich aber um, scheinen die Menschen noch nicht geläutert. Korruption und Freunderlwirtschaft dominieren Politik und Wirtschaft, oder?

Schober: Aber eben dieses korrupte Gesellschaftssystem funktioniert nicht mehr. Sonst würden wir nicht in einer globalen Krise stecken. Das alte System erzeugt Blockaden und Hemmungen und vernichtet damit Energien. Es baut Emotionen in falsche Richtungen auf: Die Menschen haben Fehlmotivationen und kämpfen gegeneinander. Es gibt keine gemeinsame Vision.

vienna.at: Der Mensch ist nun einmal nicht selbstlos. Auch Sie, Herr Schober, ziehen sich gerne gut an und gönnen sich den einen oder anderen Luxus …

Schober: Ich behaupte ja auch nichts Gegenteiliges. Aber: Wenn du selbst erfolgreich bist, dann wird Geld wichtig bleiben, doch immer nur als Sekundärfaktor. Mir sind viele andere Dinge wichtiger als Geld. Wenn man immer nur für Geld arbeitet, macht man Fehler. Es werden immer nur das eigene Ego und die damit verbundenen Minderwertigkeitskomplexe bedient. Die Frage ist, baue ich mir Energie auf dem Rücken von anderen auf, oder erzeuge ich sie selbst?

vienna.at: Und, wie machen Sie es?

Schober: Ich leite eine Unternehmensgruppe in einem multinationalen Konzern, der börsennotiert ist. Die Matrix, also das Basisprogramm, könnte lauten, den Profit zu maximieren, also Menschen auszubeuten. Der Gegenpol wäre, diese Matrix aufzulösen, indem man sagt: “Mein Konzern ist die Zusammenarbeit von Top-Leuten in einem motivierenden System, und dass wir börsennotiert sind, ist eine Randerscheinung.“ Denn wenn wir so gut sind, sind wir auch erfolgreich, und das schlägt sich ohnehin in der Bilanz des Unternehmens nieder. Das ist mein Weg, die Matrix in meinem Unternehmen aufzulösen.

vienna.at: Herr Broers, Sie halten Vorträge vor großen Unternehmen. Haben Sie das Gefühl, dass angesichts der Krise bereits ein Umdenken stattfindet? Funktionieren die alten Programme, also rein profitorientiertes Denken, nicht mehr?

Broers: Erst vor kurzem habe ich mit einem deutschen Manager gesprochen, der die Verantwortung über mehr als 200.000 Mitarbeiter trägt. Er berichtete mir offen, dass die alte Unternehmensphilosophie nicht mehr funktionieren würde und dass es rasch zu einem Umdenken kommen müsse. Die Menschen erkennen offenbar immer mehr, dass es so nicht weitergehen kann. Profitdenken, Gier und persönliche Bereicherung führen zu Krisen auf allen Ebenen.

Schober: Die Veränderungen werden aber nicht im Kollektiv passieren, also nicht alle Menschen zur gleichen Zeit erfassen. Jedoch passiert hier schon enorm viel. In den letzten Monaten und Jahren wurden politische Systeme gekippt, etwa in Ägypten und Tunesien, die Russen steigen gegen Putin auf die Barrikaden, und die Menschen gehen wegen der Zockerei der Banker auf die Straßen. Viele Menschen formieren sich im Internet, rufen dort zum Widerstand auf. Und keine Regierung der Welt wird langfristig in der Lage sein, das Internet zu bekämpfen. Sie werden sehen, dass die Systeme ethischer werden, weil sie nur so von Bestand sind. Die Zocker werden weniger, die rotten sich selbst aus.

vienna.at: Bleiben wir in der Gegenwart. Wie steht es derzeit um die Ethik in der Politik?

Schober: US-Präsident Obama hatte früher Visionen und konnte die Menschen mitreißen. Heute ist das anders, viele seiner Visionen sind nicht umgesetzt worden. Aber den großen Change - also dass ein Schwarzer US-Präsident werden konnte und eine unglaubliche Wahlbeteiligung erreicht hat - hat er durch den Glauben an seine Visionen geschafft. Dieser Glaube ist mittlerweile abhanden gekommen, und somit funktioniert es nicht mehr. Die Nachhaltigkeit fehlt. Das ist das Problem.

vienna.at: Und außer Obama?

Schober: Angela Merkel setzt vieles um. Ich habe ihre letzten Reden gut mitverfolgt und gesehen, wie sie versucht, Visionen zu konstruieren, die Begeisterung auslösen. Was in einem Kopf vorgeht, müssen Millionen andere Köpfe spüren. Ich bin sicher, dass sich Merkel dessen bewusst ist. Sie ist die einzige Hoffnungsträgerin, die Europa hat. Sie hat klare ethische Glaubensprinzipien, und im Gegensatz zu vielen anderen ist ihr Geld egal. Sie ist nicht korrumpierbar. Das macht sie authentisch. Ihre Vision ist die Rettung Europas. Als Naturwissenschaftlerin weiß sie auch über neuronale Prozesse Bescheid, die Begeisterung auslösen.

Broers: Lassen Sie mich das erklären. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass jeder Gedanke, den wir denken, mit neuronalen Aktivitäten korreliert. Das heißt: Unser Gehirn als neuronales Netzwerk besteht aus vielen Neuronen, die miteinander verschaltet sind. Je nach Aktivität senden sie elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder aus, quasi wie Radiosender. Einfach gesagt: Je mehr Neuronen aktiv sind, desto größer ist die Sendeleistung. Im Grunde bestimmen unsere Gefühle die Sendeleistung. Ein starker Sender übt auf einen Schwächern einen größeren Einfluss aus als umgekehrt. Ein unbewussterer Mensch kann von einem bewussteren also leichter beeinflusst werden.

Schober: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Als meine Frau eine Kunstgalerie eröffnen wollte, war die Galerie, die ihr gefallen hat, schon vergeben. Aber sie hat sich nicht abhalten lassen. Sie sagte dem Vermieter: “Aus diesem Vertrag wird nichts. Das ist meine Galerie. Ich sehe mich schon dort drinnen stehen.“ Und so war es dann auch. Das ist die Wirkung von Glauben.

vienna.at: Vielleicht nur ein Zufall? Eine attraktive Frau, die mit ihrem Charme “bestochen“ hat? Charisma?

Broers: Nein, es war ihre Freude, ihre Vision. Und nur Visionen werden uns auch wieder aus der Krise führen.

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